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Heiner Müller reduzierte für sein dramatisch gemeintes “Medeamaterial” den komplexen mythischen Stoff auf drei Personen: Medea, deren Amme und Jason. Als Figuren treten aber in “Medeamaterial”, Pascal Dusapins Oper nach Müllers Text, auch die Amme und Jason gar nicht mehr auf, ihre wenigen Worte sind als eingespielte Stimmen zu hören. Somit ist das einst personale Drama auf eine Person reduziert: die Figur der Medea. Sie beginnt mit den Worten “Jason Mein Erstes und mein Letztes” und eröffnet damit einen Assoziationsstrom, der in einen Akt der Auslöschung umschlägt. Die vollständig im Präsens gehaltene Nennung aller Gefühle und Erinnerungen an das Gemeinsame mündet in der Vernichtung dieser Erinnerung und der an sie geknüpften Personen.

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Nach dieser Auslöschung kündet Medea ihre eigene Zukunft an: “Mit diesen meinen Händen der Barbarin / Händen zerlaugt zerstickt zerschunden vielmal / Will ich die Menschheit in zwei Stück brechen / Und wohnen in der leeren Mitte Ich / Kein Weib kein Mann” - somit ist dem antiken Stoff ein zentrale gesellschaftliche Bedeutung zugesprochen: der Kern des Dramas ruht geschlechtslos in unserer Mitte - ohne Fluch der Lust oder Liebe. Hier setzt Sasha Waltz mit ihrer choreographischen Interpretation ein und bringt den Mythos erneut in Bewegung, lenkt den Blick auch auf die weibliche Kraft der Heilerin, der Zauberin. Die kreative und die zerstörerische Kraft der Figur gehen dabei ein ausgeprägtes Spannungsverhältnis ein, antike Rituale prägen die archaische Bildsprache des Tanzes.

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