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“Milva singt einen neuen Brecht ist ein Untertitel, der nicht als ,Entdeckung’ von Brecht oder Milva zu verstehen ist, vielmehr jedoch als eine Theaterarbeit, die allein auf Grund der Auswahl und der Reife einer Interpretin als neu bezeichnet werden kann. (…) Aus einer kultureller Schwäche heraus wollte man bloß die ,raue Stimme’ Brechts hören, lediglich den engagierten sowie politischen Aspekt sehen, und nicht jenen anderen, der auch politisch ist, aber der vom Leben als einem ,komplexen Ding’ singt, das widersprüchlich und flüchtig ist, worin sich die Leidenschaft der Geschichte, der Kampf gegen den Faschismus in seiner auch noch verstecktesten Form, jener des Kleinbürgertums, sich mit einem sehr reichen Empfinden des menschlichen Lebens vermischt.

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(…) Und dann ist da Milva. (…) Auch sie ist, in dieser Hinsicht, neu. Und der Abend bekommt durch sie und mit Brecht den Sinn der Entdeckung ,einer anderen Milva’, die sich nicht selbst verleugnet. (…) Milva bietet uns Frauenportraits: manche davon sind entrechtet, Prostituierte, oder boshaft; andere wiederum sind zärtlich, rebellisch oder verzweifelt sowie Figuren verzauberter Frauen, die eine tiefe Zustimmung und großen Respekt verdienen. Ich schätze diese nüchterne Milva sehr, die gleichsam mit ihrem Selbstbild von früher kämpft. Es benötigt viel Mut und erkämpfte Reife, um das zu machen, was sie macht.” Soweit der 1997 verstorbene Regisseur dieses Chanson-Abends, Giorgio Strehler. Durch ihn lernte Milva einst die Lieder Brechts kennen und er besetzte sie 1972 als Seeräuber-Jenny in der “Dreigroschenoper”: Beginn einer Weltkarriere. Gastspiele mit Brecht-Programmen führten Milva rund um den Erdball. Die legendäre Brecht-Interpretin Lotte Lenya hebt Milva nach einem dieser Konzerte in den Olymp: “Sie ist die größte Fortsetzung der besten Weill’schen Tradition.”

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