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Die Latte liegt niedrig in Berlin. Hatte doch zuletzt Klaus Maria Brandauer im Berliner Admiralspalast nur für hohnlachendes Aufsehen gesorgt mit seiner hochgradig banal dahingehübschten “Dreigroschenoper”. Die Latte liegt hoch in Berlin. Denn jetzt kommt das wüste Frühwerk von Bertolt Brecht und Kurt Weill dort zur Premiere, wo es am 31. August 1928 triumphal uraufgeführt wurde: am Berliner Ensemble (BE). Regie bei der Uraufführung führte Erich Engel, das Bühnenbild gestaltete Caspar Neher - beides erledigt jetzt Robert Wilson in Personalunion.
Er hat sein Theater aus der Arbeit mit einem taubstummen Jungen entwickelt und denkt nicht an Texte, sondern in Bildern. Wilson legt mit seinen akustisch-optisch-technischen Gesamtkunstwerken sehr viel Wert darauf, keine Werk-Interpretationen, sondern nur formale Lösungen der Entschleunigung anzustreben. Bevorzugt werden statuarische Arrangements; Figuren tanzen entlang der perfekt gesponnenen Lichtnetze. Ein Ensemble allererster Güte wird die Premiere am 27. September bestreiten: Stefan Kurt gibt Macky Messer, Walter Schmidinger ist als der Reitende Bote zu sehen, Veit Schubert spielt Peachum, Traute Hoess ist Mrs. Peachum und Angela Winkler tritt als Spelunken-Jenny auf - wie einst Weills Ehefrau Lotte Lenya. Weills kühne Musik - in den Stimmungslagen frech-aggressiv bis schwül-sentimental - vermischt Elemente aus Jazz und Tango, Blues und Jahrmarkt-Musik, garniert mit ironischen Seitenhieben auf Oper und Operette. Interpretiert wird sie von einem kammermusikalischen Folk-Jazz-Oktett. Wie bereits bei Robert Wilsons BE-Publikumsrenner “Leonce und Lena” (Musik: Herbert Grönemeyer) übernehmen Hans-Jörn Brandenburg und Stefan Rager die musikalische Leitung.